Freitag, 16. Juli 2010

Schlechte Neuigkeiten, Teil 3

Jemand klopft an meine Zimmertür.

Ich gebe ein Murren von mir und drehe mich in meinem Bett um.

„Geht es dir schon besser?“ Es ist die Stimme meiner Mutter. Ich höre sie durch mein Zimmer gehen und spüre, dass sie sich auf mein Bett setzt.

„Aber schau, du kannst sie doch ja besuchen kommen. In den Sommerferien kannst du dann, wenn du willst, die ganze Zeit mit ihnen verbringen“, bietet sie an.

„Es ist aber nicht das gleiche, verstehst du? Meine Freundinnen sind nicht austauschbar und ich werde nicht dieselben jemals wieder finden“, erkläre ich ihr mit zitternder Stimme.

Ich drehe mich um und schaue in ihre blauen Augen.

„Du musst mitkommen. Wir haben alles schon gebucht“, erzählt sie.

Mir stockt der Atem. Gebucht? Heißt das etwa, sie weiß schon länger davon?!

„und wann….?“ Ich habe keine Stimme mehr.

„Ende der Sommerferien. Dein Vater wird vorfahren. Er wird das Haus fertig machen und wir fliegen Ende der Sommerferien dorthin“, erwidert sie.

Ich werde anscheinend die ganzen Ferien über nicht zu Hause sein. Die ersten vier Wochen in der Türkei und dann zwei Wochen in Deutschland bei meinen Großeltern.

„Müssen wir wirklich…“, beginne ich.

- „ja. Es ist schon beschlossene Sache“, unterbricht sie mich. „ich lasse dich jetzt erst mal in Ruhe. Du willst doch alleine sein, oder?“

Ich nicke. Sie steht auf und verlässt mein Zimmer.

Beschlossene Sache…

Ich greife nach meinem Handy und wähle Lisa’s Nummer. Ich muss dringend ihr es erzählen. Ich brauche jemanden zum Reden. Ich wünsche mir nichts lieber, als mit ihr zu reden.

„Warum warst du vorher nicht mehr online in Facebook?“, beginnt Lisa, als sie abhebt.

„Ach, nicht so wichtig. Ich muss dir etwas mitteilen“, erwidere ich langsam.

„Ist etwas passiert?“

- „könnte man so sagen…“ Ich will damit einfach nicht rausrücken. Wie sie wohl reagieren wird?

„Erzähl schon!“, hackt sie nach.

„Nein, es ist nichts Gutes“, beginne ich, „aber ich muss es ja loswerden. Ich werde umziehen“ Ich bekomme einen Kloß im hals.

Ich höre sie husten. „Das ist doch toll! Und, wie schaut das Haus aus?“

-„genau das ist das Problem! Ich werde in die USA ziehen!“

Lisa antwortet nicht. Ob sie nachdenkt, was sie sagen soll? Oder ob sie es gerade Julia auf Facebook schreibt? Ob sie Tränen bekommt und sie versucht hinunterzuschlucken oder es ruhig aufnimmt?

„Bist du noch da?“, frage ich leise in das Handy.

„Mm… ich kann es nur nicht glauben! Wieso?“, erwidert sie mit gesenkter Stimme.

-„mein Vater und sein Job.“

„dann müssen wir ja viel machen!“, sagt sie aufmunternd.

„was machen?“ Ich bin verwirrt. Ich stehe von meinem Bett auf und gehe in meinem Zimmer auf und ab.

„stimmt es?“ Lisa hat anscheinend jetzt auch Julia zu der Telefonsitzung eingeladen, denn es ist Julias Stimme.

„ja…“, murmle ich leise.

„Oh mein Gott“, Julia betont jede Silbe einzeln, „ich kann es nicht glauben“

Ich sage nichts. Ich muss mich zusammenreißen, dass ich nicht in Tränen ausbreche.

„ich habe eine Idee“, Lisa bricht das Schweigen. „wie wäre es, wenn wir eine Liste machen, sie du erledigen musst, bevor du abreist?“

„muss das sein?“, murre ich zurück

„tolle Idee!“, meldet sich auch Julia zu Wort.

Ich muss lachen. Diese Idee ist witzig. Aber doch irgendwie gut. So werde ich vielleicht viel mehr Zeit mit meinen Freundinnen verbringen als zuvor. Und es wird vielleicht ein toller abschied werden. Wer weiß?


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